sag mir einfach, dass dir meine nase nicht passt
7. September 2009
wer in der letzten woche hier mitgelesen hat, hat festgestellt, dass bei uns im geschäft einiges los ist. konkret ist folgendes passiert:
unser team war ein wenig unterbeschäftigt. nachdem alle das internet von vorne bis hinten und das facebook von hinten bis vorne durchgelesen haben, haben wir als team beschlossen, unsere langeweile unserem chef mitzuteilen, weil er ja schon lange darauf wartet, dass unsere chefin aus dem mutterschaftsurlaub zurückkommt, damit er ihr alle pendenten projekte endlich übergeben kann.
wir haben ihn also darum gebeten, die projekte doch bereits an uns abzugeben. er suchte und suchte, nur fand er plötzlich diese projekte nicht mehr, welch ein unglück auch.
nun ja, auch eine grosse fachhochschule ist von der momentanen wirtschaftslage nicht verschont und kämpft daher um gold und geld, so dass das die langeweile dieses teams ganz gelegen kam, man konnte damit gleich ein wenig geld sparen, indem man das team um eine 100% stelle verkleinerte.
der chef hat dann gespräche geführt, um heraus zu finden, ob vielleicht sowieso grad jemand woanders in verhandlungen ist und nächstens die firma verlassen wird. man mag es naiv nennen, ich nenne es ehrlich: ich habe ihm gesagt, dass ich eine neue stelle suche, weil ich mich weiterentwickeln möchte, dass ich einerseits aber weder annähernd etwas konkretes hätte und andererseits mir mein job nach wie vor gut gefalle.
naja, man kann 1 + 1 zusammenzählen und kommt zum schluss: pipistrella muss gehen. so habe ich am montagmorgen, kaum dass ich nach meinen ferien eine halbe stunde im büro gesessen bin, vom chef die kündigungsinformation erhalten. da hier noch gewisse prozesse durchlaufen werden, habe ich die effektive kündigung noch nicht erhalten.
soweit so ungut. ich war zwar etwas genervt, weil ehrlichkeit so schlecht bezahlt wurde, aber ich hätte es wohl knapp akzeptiert, wäre da nicht die personalerin gewesen, die mir gesagt hat, ich solle doch nochmals nachfragen, warum ich diejenige war, die über die klinge springen musste.
hier nun die begründung, warum bei einer kündigung aus wirtschaftlichen gründen, meine person gewählt wurde:
“ich hätte das geringste potential für die abteilung in der zukunft”, weil “in zukunft werden in unserer abteilung weniger supportaufgaben, sondern viel mehr projektaufgaben verlangt” (man erinnere sich an die ominösen projekte, die plötzlich nicht mehr da sind).
und warum ich da diejenige mit dem geringsten potential sei, könne er nicht belegen, es sei ein reines bauchgefühl. es hätte nichts mit meinen leistungen zu tun.
womit dann sonst, bitte schön? sag mir einfach, dass dir meine nase nicht passt.
das hat mich dann stinke- wirklich stinkesauer gemacht. die aussage hat mir gezeigt, dass er keinen blassen schimmer hat, was ich in den letzten 3 jahren gemacht habe und noch weniger eine ahnung hat, welche ausbildung ich habe.
heute dann der clou. in der teamsitzung erwähnte der chef, dass die budgetrunde ansteht und fragte, ob wir noch etwas reinnehmen möchte. die kollegin fragte nach, ob vielleicht noch projekte geplant wären, da kommt die antwort: “nein, mittelfristig haben wir im moment keine projekte, allenfalls eines, aber das wurde weit rausgeschoben”, konkret, nächstes jahr keine projekte (man erinnere sich an den grund, warum ICH gehen muss und nicht ein anderer). ich dachte schon, ich hätte mich verhört.
und dann, keine 5 min. später meint er, dass die hochschulen neu verteilt werden müsse, weil a) jemand meine hochschule wird übernehmen müssen und b) dringender handlungsbedarf bei der hochschule des kollegen herrsche, weil da ein grosses problem zwischen der hochschule und dem kollegen sei. das was das 2. mal, als mir die ohren heute fast überliefen.
da werde also ich für eine teamreduktion gewählt, weil vermehrt projektarbeit gefragt ist für projekte, die es nicht gibt und weniger support, den ich zwar ausgezeichnet mache, für den aber andere besser geeignet sind, obwohl sie soeben massive probleme bei ihrem support haben.
ich versteh die welt nicht mehr.
das letzte wort ist übrigens noch nicht gesprochen. wir haben einen GAV, der verlangt, dass bevor kündigungen ausgesprochen werden, geprüft werden soll, ob arbeitszeitreduktionen möglich sind und es gibt einen wunderbaren OR-artikel, der gewählte arbeitnehmervertreterinnen vor kündigungen ohne begründeten anlass schützt.
im team brächten wir die 100% arbeitszeitreduktion hin, ohne dass nur 1 person gehen muss… – und dass ich eine gewählte arbeitnehmervertreterin bin, muss ich wohl nicht extra erwähnen
UND ICH BIN IM FALL IMMER NOCH SAUER!

2 Mitflieger “sag mir einfach, dass dir meine nase nicht passt”
01
das ist ja wirklich kaum zu glauben. was für ein aff habt ihr da als chef???
ich hoffe, du kommst durch. drücke dir die daumen!!!
02
das klingt schaurig anstrengend, und ich wünsche dir weiterhin viel kraft, das durchzuziehen. und dass das, was am ende rauskommt, das beste für dich sein wird.
und ja, einmal mehr zeigt das beispiel, das ehrlichkeit einem nicht unbedingt weiterbringt im job – kenne ich aus eigener erfahrung.
Kommentar schreiben