top of top
8. Januar 2010
nachdem gestern verkündet wurde, dass die privatwirtschaft zum 2-jährigen ferienlager für lehrer werden könnte, ich habe darüber berichtet, wurde heute bereits klar, dass mein angebot, dass ich meine stelle mit einem der lehrer tauschen würde, gleich abgeschmettert würde:
Eltern dürfen nicht lange Lehrer spielen
was natürlich den untrüglichen schluss zulässt, dass der lehrerjob der top-of-top-job sein muss. schliesslich kann das nicht jeder…
mein job kann übrigens auch nicht jeder. den job von meiner kollegin bei der bank kann auch nicht jeder. der job vom mann im einkauf kann auch nicht jeder. der job von meinem bruder in der informatik kann auch nicht jeder… aber irgendein job wird sich dann für die lehrer zur auslüftung sicher finden lassen….
ps: die aufgezählten jobs sind übrigens alles jobs im lohnrahmen +/- derer der lehrpersonen…
pps: ja ich finde die idee vom kopfauslüften – so mal schnell für 2 jahre – bescheuert. so wie die aussage dasteht, wertet das jeden job in der privatwirtschaft ab als hach-alles-ist-einfacher-wie-lehrer-sein. in der privatwirtschaft gilt genau so wie im lehrberuf – erfahrung zählt und wer die nicht hat, soll gefälligst entsprechende diplome vorweisen, dass er es zumindest von der theorie her gelernt hat. im bildungswesen, sprich lehrberuf reicht übrigens nicht mal nur noch die erfahrung, wer keine entsprechende abschlussdokumente vorweisen kann, darf auch nicht unterrichten, jahrelange erfahrung hin oder her, obiges ist nur 1 beispiel von vielen.

13 Mitflieger “top of top”
01
Unabhängig davon, dass ich lieber einem arbeitslosen Informatiker die Chance geben würde, für zwei Jahre meinen Job zu übernehmen als einem Lehrer zur “Kopflüftung” zu verhelfen… möchte ich doch nie im Leben in den zwei Jahren einen Lehrerjob übernehmen (zumindest nicht für das Gehalt). Ich wüsste keine Klassenstufe, der ich micht freiwillig aussetzen möchte. Von daher, Hut ab vor jedem guten Lehrer und der Leistung, die er in seinem Fachbereich bringt. Aber lasst die “Schultheoretiker” um Himmels willen nicht an “meine Systeme”
02
ich möchte betonen, dass ich die arbeit der lehrer nicht abwerten möchte. aber ich will sie auch nicht künstlich aufwerten. sie machen ihren job und viele machen den gut, ich und alle in der privatwirtschaft machen unseren job und den machen wir genau so gut.
aber genau so wenig, wie es mir in den sinn käme, mir meinen kopf bei einem lehrerjob auszulüften (weil ich mit einer solchen aussage den lehrerjob abwerten würde, abgesehen davon, dass dies ja gar nicht möglich ist, weil mal ja eben den lehrerjob nur mit entsprechender ausbildung und diplom machen darf), finde ich es anmassend, davon zu sprechen, dass lehrer in der privatwirtschaft mal für 2 jahre den kopf auslüften sollen. das ist ein hohn gegenüber jedem in der privatwirtschaft, der das gefühl hat, dass er seinen job sehr gut macht und dabei auch immer gefordert wird. und es wäre noch mehr ein hohn jedem gegenüber, der auf grund eines jobs in der privatwirtschaft ein burnout hat.
03
Und wenn man den Lehrern schon den Kontakt mit der Privatwirtschaft ermöglichen möchte, dann bitte direkt nach der Ausbildung. Vielleicht in Form von Praktika. [Ketzermodus]Denn seien wir mal ehrlich. Die meisten Lehrer machen Gymnasium, Hochschule und werden dann direkt auf unsere Kinder losgelassen. Die haben noch nie die böse Welt da draussen von nahem erlebt und müssen ihre Schützlinge aber auf diese vorbereiten (Stichwort: Berufsvorbereitung etc.) [/Ketzermodus]
04
Ohne jetzt mal einen Beruf ab – oder aufwerten zu wollen; so schlecht finde ich die Idee vom “Kopf auslüften” gar nicht. Es sollte jedem möglich sein, eine Auszeit zu nehmen, um in einen völlig anderen Beruf reinschnuppern zu können, wenn man das möchte.
Das ist eine neue Erfahrung und ermöglicht Einblicke, die einem sonst verwehrt bleiben.
Ich sag nicht, das es machbar oder finanzierbar wäre oder ähnliches… ich finde nur die Idee reizvoll
Grüßli
05
Vielleicht in der Hochkonjunktur, wenn du freie Stellen hast in den Bereichen, die zum “Kopf auslüften” interessant sind.
Aber sicher nicht in der heutigen Zeit, wo ich um jedes Stellenprozent kämpfen muss und die Arbeitslosigkeit steigt. Das gibt die Privatwirtschaft zur Zeit einfach nicht her.
Und wo willst du denn den Kopf lüften? Sicher nicht als ungelernter Hilfsarbeiter? Also kommen wieder Pipistrellas Argumente der Qualifikation zum Zug. Und was soll mich dazu bewegen, jemanden in meinem Betrieb teuer zu qualifizieren, wenn ich weiss, dass er in spätestens zwei Jahren wieder verschwindet und die Investition definitiv für die Katz war?
06
liebe schlafmütze, ich bin grundsätzlich gleicher meinung wie du. bei uns haben aber die lehrpersonen nach einer zeit von 10 jahren die möglichkeit, einen bildungsurlaub, ein sogenanntes sabbatical zu machen. von daher besteht dieses auslüften bereits.
diese sind übrigens von der schule, bzw. dem entsprechenden kanton/gemeinde bezahlt. in der privatwirtschaft gibt es nicht ein annähernd ähnliches angebot. daher finde ich eben die forderung vom regierungsrat bescheuert und auch irgendwie anmassend.
ich tendiere aber auch in richtung meines bruders, von wegen, dass die lehrer bevor sie die den lehrberuf ergreifen, sich zuerst mal in der privatwirtschaft praxis-knowhow holen (ist zumindest insoweit so, dass sie vor dem studium ein 6-monatiges privatwirtschaftliches praktikum vorweisen müssen, dass nichts mit kindern zu tun hat).
07
Wer schreibt das mit dem Praktikum vor? Ist das Schweizweit (EDK) oder Kantonal (ED) bzw. Fachhochschue bezogen? Und was gilt alles als privatwirtschaftliches Praktikum?
08
hmm, da bin ich jetzt nicht mal sicher. ich weiss, dass tochter1 dieses praktikum machen musste, damit sie überhaupt mit studieren anfangen konnte, aber ich weiss nicht, ob das ph-spezifisch geregelt ist, oder allgemein gilt.
09
ich schätze, es ist ph-spezifisch. ich habe zumindest auf den seiten von bern, luzern und st. gallen (als beispiel) keine diesbezüglichen bedingungen (“ausserschulisches praktikum” wie bei phzh) gefunden.
10
aus der warte der künftigen lehrersfrau: mein mann macht das ja quasi zu seinem dritten beruf. er sagt: die meisten derjenigen, die seit dem semi lehrer sind und blieben, meist noch an der gleichen stelle, sind verstaubt und in vielen fällen realitätsfremd. zwei jahre kopf durchlüften jenseits der geschützten werkstätte des lehrerberufs würden vielen davon gut tun. auf der anderen seite: wenn man 37 ist und vor dem lehrerlen schon zwei berufe hatte, die sich mit der welt jenseits des schulbetriebs beschäftigen, kann man 13 blindbewerbungen an schulen schicken und kriegt 13 einladungen zu bewerbungsgesprächen. (was, sind wir ehrlich, auch daran liegt, dass es viel zu wenig lehrer gibt.)
11
@rage: aus der warte des 2-fachen Lehrerinnenschwagers kann ich deinem bzgl. realitätsfremde nur beipflichten
allerdings halte ich das kopfdurchlüften nach x jahren im beruf suboptimal. der “schaden” ist dann bereits angerichtet. besser fände ich eine regelung im stil von “mindestens eine vorgängige berufsausbildung bzw. ausübung eines berufs in der privatwirtschaft” als voraussetzung für die studiumszulassung (ein 6 monatiges praktikum halte ich diesbezüglich auch nicht für wirklich ausreichend).
12
@rage und @bruno: übrigens wie gesagt, jeder lehrer hat nach 10 jahren arbeitstätigkeit anrecht auf einen bis zu 6-monatigen bildungsurlaub, welcher bezahlt ist und durchaus in der privatwirtschaft absolviert werden kann.
ich habe jetzt 3 jahre mit der pädagogischen weiterbildung zu tun gehabt und jeder lehrer hat die möglichkeit sich (übrigens meist unentgeltlich) in sehr unterschiedlichen bereichen weiterzubilden. das verstaubt sein hat also auch etwas mit der eigeninitiative zu tun und da würde auch ein durchlüften vermutlich nichts ändern, weil leute, die sich über jahre nicht bewegt haben, sich auch in einer solchen auszeit nicht bewegen.
13
das weiss ich ja alles, ich kenn ein paar lehrer und war schon vor meinem mann mit zweien zusammen – ist wohl mein beuteschema
)
ich glaube auch, dass sich nach zehn jahren nix mehr ändern liesse, und ich glaube auch, dass eigeninitiative das ah und oh ist. was nicht stimmt, ist, dass man ohne ausbildung nicht lehrerlen darf – ich hab grad von einer oberstufe gehört, wo lehrer seit jahren oberstufe unterrichten und nicht dafür ausgebildet sind – weil es keine alternativen gibt.
mein exfreund hat auch jahre realschule unterrichtet, was man ja im prinzip mit dem primarlehrerdiplom ein paar jahre machen darf, man muss dann aber die ausbildung nachholen. da stell ich fest, dass einige schulen so desperate sind, dass man das nie machen muss, und dann kommt irgendwann der kanton, und der klopft auf den tisch und dann muss ein guter lehrer (ein anderer, den ich kenne), einer der schon jahre gut unterrichtet, die ausbildung noch nachholen. letzteres ist ein einzelfall, und dem gefällt die ausbildung noch, auch deshalb weil er so selbst wieder einmal zum schüler wurde. so als horizonterweiterung.
es ist wohl schwierig. ich bin gegen das lehrer verhätscheln. allerdings sehe ich, wie schwierig es ist, und das sind nicht mal die viel zitierten eltern, sondern vor allem der bürokratische aufwand. sitzungen, sitzungen, sitzungen zu themen, die man, hätte man privatwirtschaftliche erfahrungen, kein thema wären oder man lebensnaher angehen würde.
und, ein weiterer punkt: die integration von ausländern. da könnten lehrer ansetzen, aber es wird ihnen nicht zugestanden. ach, es gäbe so vieles. und jeder weiss es besser
)
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